Das wünsche ich mir für unsere Europastadt

Görlitzer Oberbürgermeister Siegfried Deinege


Die Stadtväter beiderseits der Neiße waren 1998 zukunftsorientiert, mutig und weltoffen – als sie die gemeinsame Proklamation der Zwillingsstädte Görlitz und Zgorzelec ratifiziert haben. Mit meinem Amtskollegen Rafał Wojciech Gronicz habe ich die Werte von Freiheit, Demokratie, Respekt und Heimatliebe immer betont und gelebt. Ich wünsche mir, dass es auch in politisch raueren Zeiten viele mutige Menschen in Görlitz und Zgorzelec gibt, die einen gesunden Patriotismus leben – ohne dem Nationalismus Raum zu geben. In den vergangenen 20 Jahren als Europastadt haben die Menschen in Görlitz/Zgorzelec erfahren, dass es uns allen sozial, politisch, kulturell und wirtschaftlich besser geht, wenn wir gemeinsam an dem Haus Europa hier an der Neiße bauen. Ich wünsche mir – und werde dieses Ziel mit aller Kraft verfolgen – dass wir in 20 Jahren erneut auf eine erfolgreiche Geschichte der Zwillingsstädte Görlitz/Zgorzelec zurückblicken können, die in der öffentlichen Wahrnehmung eine einzige Europastadt Görlitz/Zgorzelec ist.

Zgorzelecer Bürgermeister Rafał Gronicz


Oft hört man, dass Europastadt Görlitz/Zgorzelec nur ein Titel ist, hinter dem sich nur die offiziellen Kontakte der Bürgermeister und Verwaltungen verbergen. Einige meinen, dass die Proklamation eigentlich nichts an unserer Wirklichkeit und den gegenseitigen Beziehungen geändert hat. Mein Eindruck ist, dass damit verbundene große, unbestimmte Hoffnungen auf den großen Wow-Effekt mit dem nüchternen Alltag zusammenprallen. Aber das Ganze ist kein magischer Koffer, der immerzu Überraschungen bereithält. Ich sehe in diesem Gedanken vielmehr einen Prozess, der andauert und der eigentlich jeden Tag etwas Neues bringt. Für mich, der die dicht geschlossenen Grenzen zwischen unseren Städten noch gut in Erinnerung hat, war die Europastadt Görlitz/Zgorzelec ein Versprechen: Dass wir anders leben können, dass wir unsere Stadt verändern können, neue Bekanntschaften und Freundschaften schließen können und dass diese „westliche“ bunte Welt endlich auch für uns erreichbar sein wird. Und ich freue mich, dass dieses Versprechen in Erfüllung geht. Die ewig unzufriedenen Nörgler ermuntere ich, die Gedanken zurückschweifen zu lassen und sich daran zu erinnern, woher wir kamen. Dank der Visionäre, die vor 20 Jahren keine Angst vor großen Herausforderungen hatten, sind wir gemeinsam einen sehr langen Weg gegangen. Wir haben uns geholfen, haben Lösungen und gemeinsame Räume für unsere Entwicklung gesucht. Von der Umsetzung einer gemeinsam verwalteten Stadt sind wir jedoch immer noch weit entfernt. Hieran hindert uns die Politik und wir wissen nicht, ob es uns irgendwann gelingt, diese Barriere zu überwinden. In den Köpfen jedoch sehen viele von uns längst keinen Unterschied mehr zwischen hier und dort. Und das ist schön!

Was wünschen Sie sich für die Zukunft der Europastadt?


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